Nachhaltige Anlageprodukte | DSGV - 2018
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Nachhaltige Anlageprodukte

Bevestor: Roboter für die Vermögensanlage

Zukunftsmarkt künstliche Intelligenz: Auch in der Vermögensverwaltung spielen digitale Anlage-Tools eine immer größere Rolle. Die Sparkassen-Finanzgruppe ist auf diesem Markt ebenfalls aktiv.

Künstliche Intelligenz (KI) beschleunigt die Digitalisierung. Auch in der Finanzbranche kommt sie immer stärker zum Tragen: Immer mehr Anbieter der Branche nutzen KI-Funktionen, um Schnittstellen zum Kunden zu verbessern, Prozesse effizienter zu gestalten und neue Umsatzquellen zu erschließen. Der Begriff „Intelligenz“ ist dabei vielleicht etwas irreführend. Es geht bei den Themen, die auf diesem Feld bearbeitet werden, weniger um „Intelligenz“ im landläufigen Sinne, sondern zumeist „im Wesentlichen um Methoden der automatisierten Statistik und Prognostik“, wie die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe in einem Aufsatz zu diesem Thema formulieren.

In diesem Sinne bieten KI-Applikationen ein großes Potenzial für die Finanzmärkte. Das sehen auch die Chefvolkswirte so: „Es gibt zahlreiche Anwendungsgebiete, die durch den Einsatz [entsprechender] Technologien optimiert werden können. Die Sparkassen-Finanzgruppe hat viel Potenzial, die Märkte mit Innovationen in Richtung Digitalisierung und KI voranzutreiben.“ Allerdings habe die Entwicklung eine hohe Dynamik und kennzeichne einen „The-Winner-Takes-It-All-Markt“. Die Chefvolkswirte fordern daher „eine schnelle Implementierung politischer Maßnahmen zur Förderung von KI.“

Im Rahmen der Sparkassen-Finanzgruppe wird durchaus schon an vielen Punkten an Lösungen gearbeitet, die Ansätze künstlicher Intelligenz aufgreifen und umsetzen. Ein Beispiel dafür ist die digitale Anlageplattform „bevestor“, die im Auftrag der DekaBank, des Wertpapierhauses der Sparkassen, entwickelt wurde. Bevestor ist im Branchenjargon ein „Robo-Advisor“. Der Ausdruck mag zunächst einmal befremdlich klingen: Ein Roboter als Berater? Wie soll das funktionieren? Kann eine vollautomatische Plattform tatsächlich alle Aspekte eines Beratungsprozesses abbilden, einschließlich der persönlichen Komponente, die vielen Kundinnen und Kunden wichtig ist?

Wachsender Markt

Digitale Vermögensverwalter sind nun kein völlig neues Phänomen, sondern bereits bei einigen Finanzhäusern im Einsatz. Allein auf dem deutschen Markt werden Branchendaten zufolge bereits mehr als 3,5 Milliarden Euro von Robo-Advisors verwaltet [Stand: Februar 2019]. Und das, obwohl bislang nur wenige Anbieter auf diesem Markt aktiv waren: Rund drei Viertel des verwalteten Vermögens entfallen auf lediglich vier Anbieter. Das wird sich in naher Zukunft ändern, denn viele Finanzinstitute arbeiten noch an eigenen Lösungen oder kooperieren mit entsprechenden Fintechs.

Bevestor bietet den Sparkassen die Option, an diesem rasch entwickelten Markt zu partizipieren und den onlineaffinen Kunden eine digitale Vermögensverwaltung anzubieten, die Bequemlichkeit und Transparenz bietet, zugleich Qualität, Sicherheit und Zuverlässigkeit der Sparkassen-Finanzgruppe abbildet. Sie bietet die Möglichkeit, Geld automatisiert nach einem wissenschaftlich entwickelten Investmentkonzept anzulegen und im Rahmen einer professionellen Vermögensverwaltung managen zu lassen.

Anlagelösung nach Maß

Das bevestor-Angebot lässt sich in den Online-Auftritt einer Sparkasse integrieren, tritt dem Kunden also zunächst in einem vertrauten Umfeld entgegen. Genutzt werden kann das Angebot über Browser oder Smartphone-App. In einem ersten Schritt ermittelt die Plattform das Anlegerprofil des Kunden. Die Analyse nutzt dabei einen „Gamification“-Ansatz, das heißt, sie setzt spielerische Elemente ein, um ein möglichst angemessenes Profil zu erstellen und Risikobereitschaft, Wertpapierkenntnisse und gewünschte Anlagedauer zu erkennen. Auf Basis dieser Analyse erhält der Kunde einen Anlagevorschlag, der seinem Profil entspricht. Die Berechnung erfolgt mit modernsten mathematischen Methoden, dem sogenannten Resampling-Ansatz nach Michaud. Auf dieser Grundlage berechnen die Anlageexperten der Deka, welche Zusammenstellung für die Portfolios aktuell am besten geeignet ist. Im Ergebnis sind die Portfolios so ausgerichtet, dass sie ein optimales Rendite-Risiko-Profil aufweisen, also eine möglichst hohe Rendite bei geringstmöglicher Schwankung ausweisen.

Im Anlagekonzept „Select“ werden vornehmlich sogenannte Indexfonds (ETFs) berücksichtigt, die Börsenindizes abbilden. Nach dem Kauf sorgt bevestor dafür, dass die Geldanlage im Einklang mit dem individuellen Risikoprofil investiert bleibt. Gegen einen Aufpreis können bevestor-Nutzer optional einen innovativen Anlageschutz hinzubuchen. Der Schutz beinhaltet ein aktives Risikomanagement, um die Anleger vor den Auswirkungen starker Marktschwankungen zu schützen: „Dabei wird der Wert des Fonds-Portfolios täglich individuell beobachtet und im Falle einer negativen Entwicklung in einen sicherheitsorientierten und geldmarktnahen Fonds umgeschichtet“, erläutert Heinrich. Dazu kommt eine Höchststand-Automatik, mit der sich zwischenzeitlich erreichte Kursgewinne fortlaufend absichern lassen. Weiterhin kann der Kunde seinem Portfolio individuell bis zu drei attraktive Investmentthemen wie Wasser, Digitale Lifestyle oder Industrie 4.0 beimischen.

Die Plattform ist so angelegt, dass grundsätzlich die gesamte Bandbreite des Anlageprozesses automatisiert und online abgewickelt werden kann. Gleichwohl ist das Angebot nicht als Konkurrenz zur klassischen Beratung zu verstehen, sondern ausdrücklich als Ergänzung. „Bevestor wird als digitale Selbstberatungslösung für Kunden positioniert, die keine Beratung in Anspruch nehmen möchten“, präzisiert Olaf Heinrich, Leiter Digitales Multikanalmanagement bei der DekaBank. „Die Beratung in den Sparkassen vor Ort, unterstützt von einem leistungsstarken digitalen Angebot, bleibt der wichtigste Beratungskanal.“

So ist es möglich, auf Basis von bevestor eine eigene Plattformlösung im Rahmen eines White-Label-Ansatzes aufzusetzen. Die Stadtsparkasse Düsseldorf betreibt beispielsweise die eigene Plattform „Fyndus“ in Kooperation mit bevestor. Mittlerweile bieten bereits mehr als 250 Sparkassen ihren Kunden bevestor an, darunter auch große Häuser wie die Berliner Sparkasse, die Stadtsparkasse München und die Hamburger Sparkasse.

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Bericht an die Gesellschaft 2018

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