Fernwärme ist ein wichtiger Faktor bei der Energie- bzw. Wärmewende. Sie kann verschiedene erneuerbare Energiequellen nutzen. Sie ist effizient, weil sie die Abwärme auf verschiedene Haushalte verteilt. Und nicht zuletzt machen lokale Fernwärmeprojekte Kommunen resilienter und unabhängiger. Doch noch ist der nicht-fossile Anteil am Fernwärmemix mit rund 20 Prozent gering. Um das zu ändern und die Wärmewende voranzutreiben, braucht es innovative Ideen, langfristige Investitionen und klare Risikostrukturen. Hier leisten die Institute der Sparkassen-Finanzgruppe einen wichtigen Beitrag, wie zwei Projekte aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands zeigen.
Kommunale Wärmeversorgung
Energie, die aus der Erde kommt
Olching: Geothermie trifft Abfallverbrennung
In Olching im oberbayerischen Landkreis Fürstenfeldbruck entsteht auf dem Gelände eines Abfallheizkraftwerks eine deutschlandweit einmalige Anlage: eine Symbiose aus Müllverbrennung und Geothermie, sprich die Nutzung der in der Erdkruste gespeicherten Energie. Nach ersten Probebohrungen im Jahr 2025 soll die Anlage zeitnah in Betrieb gehen. In einem geschlossenen Kreislauf wird Thermalwasser aus rund 2.000 Metern Tiefe an die Oberfläche gepumpt. Das etwa 70 Grad Celsius heiße Wasser gibt seine Wärme über Wärmetauscher ab und wird anschließend wieder in die Entnahmeschicht zurückgeführt. Die gewonnene Wärme wird in das bereits vorhandene Fernwärmenetz des Abfallheizkraftwerks eingespeist und ergänzt somit die Prozesswärme aus der Müllverbrennung um eine brennstoffunabhängige Energiequelle.
Finanziell abgesichert wird das Projekt durch eine Namensschuldverschreibung der BayernLB über 15 Millionen Euro mit einer Laufzeit von 30 Jahren, vermittelt durch die Sparkasse Fürstenfeldbruck. Die Mittel fließen an ein gemeinsames Kommunalunternehmen der Kreise Fürstenfeldbruck und Dachau, die zur Umsetzung des Projekts die Tochtergesellschaft Amperland Thermalwärme GmbH gegründet haben. So wird sichergestellt, dass finanzielle Risiken nicht am Ende in Form höherer Müllgebühren zulasten der Bürgerinnen und Bürger gehen.
Hildesheim: Klärschlammverbrennung trifft Rohstoffrückgewinnung
In Hildesheim haben die Landesbank Hessen-Thüringen und die Hamburg Commercial Bank gemeinsam die Finanzierung einer Klärschlammverbrennungsanlage übernommen. Das Finanzierungsvolumen beträgt gut 122 Millionen Euro. Die Anlage erzeugt Wärme, die etwa ein Drittel des städtischen Wärmebedarfs decken soll und damit einen spürbaren Beitrag zur lokalen Energieversorgung leistet.
Neben der Wärmeproduktion bietet die Anlage einen weiteren ökologischen Nutzen: Aus dem Klärschlamm kann der knappe Rohstoff Phosphor für die Düngemittelproduktion und Landwirtschaft zurückgewonnen werden. Die Kombination aus Energiegewinnung und Kreislaufwirtschaft ist richtungsweisend. Denn in Deutschland fallen jährlich rund 1,6 Millionen Tonnen Klärschlamm an. Zudem müssen Betreiber von Kläranlagen ab dem Jahr 2029 diesen Schlamm ohnehin thermisch behandeln und den Phosphor rückgewinnen.
Olching und Hildesheim machen deutlich, wie sich Fernwärme durch innovative, lokal angepasste Konzepte zukunftsfähig gestalten lässt: Technische Synergien, Rohstoffrückgewinnung und klare Finanzierungsstrukturen reduzieren Risiken für Bürgerinnen und Bürger und erhöhen die Resilienz kommunaler Energiesysteme. Sie können so als Modell für andere Kommunen dienen und sind überzeugende Beispiele dafür, wie die Sparkassen-Finanzgruppe das Gelingen der Transformation unterstützt.