Ein Straßenarbeiter arbeitet an der Beschriftung einer Fahrrad- und Busspur.

Kommunalfinanzen

Neue Finanzierungsinstrumente für Kommunen in der Transformation

Deutschland befindet sich in einem wichtigen Veränderungsprozess. Um den langjährigen Sanierungs- und Modernisierungsstau aufzulösen, unsere Infrastruktur zukunftsfähig zu machen und die Transformation voranzubringen, braucht es massive Investitionen in Straßen, Brücken, Digitalisierung, Energie- und Wärmenetze: Schätzungen zufolge zwischen 600 Milliarden und 1,5 Billionen in den nächsten zehn Jahren. Die Politik hat mit einem Sondervermögen entscheidende Weichen gestellt. Dennoch stellt der hohe Investitionsbedarf insbesondere viele Kommunen und ihre Stadtwerke weiterhin vor große Herausforderungen.

Bislang finanzieren Kommunen ihre Investitionen größtenteils aus Eigenmitteln. Fremdkapital macht nur etwa 20 Prozent aus. Ein effizienter Zugang zu Kapitalmärkten und eine stärkere Einbindung privater Akteure sind eine gute Möglichkeit, die benötigten zusätzlichen Mittel zu erschließen. Sparkassen und Landesbanken als etablierte und langjährige Partner der Kommunen in Deutschland sind hier besonders gut in der Lage, die finanziellen Bedarfslagen zu erkennen und verlässliche Finanzierungskonzepte anzubieten.

Zwischen 600 Mrd. und 1,5 Bio. Euro
an Investitionen in Infrastruktur werden schätzungsweise in den nächsten zehn Jahren benötigt.

Ein Beispiel ist „Zukunft Finanzieren“, eine Initiative, die Sparkassen, der Sparkassenverband Baden-Württemberg, die LBBW und weitere Partner der Sparkassen-Finanzgruppe entwickelt haben. Ziel ist es, kommunale Unternehmen mit privaten Investoren zusammenzubringen und dafür standardisierte, skalierbare Finanzierungslösungen zu schaffen. Dazu gehören direkte Investments, bei denen ein Investor ein konkretes Vorhaben finanziert, ebenso wie Fondsmodelle, bei denen mehrere Investoren gemeinsam in ein Portfolio von Projekten investieren.

„Wir haben mit mehr als 60 Stadtwerken gesprochen. Mehrere stehen für eine Umsetzung bereit, sobald auf politischer Ebene Klarheit besteht“, so Dr. Matthias Neth, Präsident des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg. „Entscheidend ist, öffentliches und privates Kapital sinnvoll zusammenzuführen und die Kosten für frisches Eigenkapital für Kommunen tragfähig zu gestalten.“

Dass solche Strukturen umsetzbar sind, zeigt die Erfahrung aus der Transaktion rund um den Stromnetzbetreiber TransnetBW. Seit 2023 ist das sogenannte Südwest Konsortium unter Führung der Sparkassenversicherung und mit Beteiligung vieler weiterer Akteure wie der LBBW an der EnBW-Tochter beteiligt und stellt zusätzliche Mittel für den Ausbau des Übertragungsnetzes zur Verfügung. Der Beitrag reicht von der Strukturierung über die Finanzierung bis zur Unterstützung im Capital Raising. Diese Expertise kann auch künftig helfen, zusätzliches Kapital für soziale und wirtschaftliche Infrastruktur zu mobilisieren und damit Wohlstand, Lebensqualität und Teilhabechancen langfristig zu sichern.