Fünf Fragen zur Nachhaltigkeit an Karolin Schriever

1. Die europäischen Vorgaben zur Nachhaltigkeitsberichterstattung werden weiterentwickelt. Wie bewerten die Sparkassen den eingeschlagenen Weg?

Nachhaltigkeitsberichterstattung soll zeigen, wo Risiken liegen, wo Ressourcen effizienter eingesetzt werden können und welche Investitionen Geschäftsmodelle zukunftsfähiger machen. Dafür brauchen wir praktikable Regeln.

Die EU-Kommission hat die Anforderungen nach den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) teilweise verringert. Das war richtig: Bürokratischer Aufwand wird reduziert, ohne die inhaltliche Substanz auszuhöhlen – vor allem kleinere Institute und Unternehmen werden entlastet.

Auch in der freiwilligen Nachhaltigkeitsberichterstattung sehen wir großes Potenzial. Sie schafft Transparenz, ohne jedes Detail gesetzlich vorzugeben. Dazu wollen wir auch unsere mittelständischen Kundinnen und Kunden ermutigen.

 

2. Soziale Nachhaltigkeit gehört zu den besonderen Stärken der Sparkassen. Wird sie in der europäischen Regulierung ausreichend berücksichtigt?

Seit rund 250 Jahren gehört es zu den Aufgaben der Sparkassen, wirtschaftliche und soziale Teilhabe zu ermöglichen. Nachhaltigkeit heißt für uns deshalb auch, möglichst vielen Menschen Zugang zu Wohlstand, finanzieller Bildung und wirtschaftlichen Chancen zu eröffnen.

In der europäischen Regulierung ist die soziale Dimension bislang weniger klar gefasst als die ökologische. Emissionen oder Energieverbrauch lassen sich vergleichsweise eindeutig messen; gesellschaftliche Teilhabe, faire Arbeitsbedingungen, Diversität oder Inklusion deutlich schwerer. Eine starre Taxonomie greift deshalb zu kurz. Entscheidend ist, den konkreten Beitrag der Sparkassen zu wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Teilhabe sichtbar zu machen.

 

3. Auch der Verlust an Artenvielfalt rückt stärker in den Fokus. Welche Bedeutung hat Biodiversität für die Wirtschaft – und welchen Beitrag können die Sparkassen leisten?

Biodiversität ist wirtschaftlich relevant: Unternehmen sind auf funktionierende Ökosysteme angewiesen. Der Verlust biologischer Vielfalt kann deshalb zu konkreten ökonomischen und finanziellen Risiken führen. Wie sich diese Risiken verlässlich messen lassen, ist allerdings noch vergleichsweise wenig entwickelt. Genau daran forscht auch unsere Hochschule für Finanzwirtschaft & Management mit ihrer Forschungsstelle Nachhaltigkeit.

 

4. Europa braucht mehr privates Kapital für Investitionen in eine wettbewerbsfähige und klimafreundliche Wirtschaft. Welche Rolle kann dabei die Spar- und Investitionsunion spielen?

Die Spar- und Investitionsunion kann zusätzliches privates Kapital für Investitionen mobilisieren. Sie darf aber nicht auf den Kapitalmarkt verengt werden: Gerade der Mittelstand finanziert seine Investitionen weiterhin vor allem über Kreditinstitute. Hier liegt eine besondere Stärke der Sparkassen, die die Unternehmen vor Ort kennen und ihre Transformation begleiten.

 

5. Die Sparkassen engagieren sich auch international für Nachhaltigkeit. Was bringt dieser Austausch für Deutschland?

Bei der vierten UN-Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung 2025 in Sevilla ging es konkret darum, Investitionen zu ermöglichen und kleine und mittlere Unternehmen besser zu finanzieren. Öffentliche Mittel allein reichen dafür nicht. Wohlstand entsteht dort, wo Menschen und Unternehmen investieren, wirtschaften und Einkommen schaffen.

Zwar lässt sich das Sparkassenmodell nicht eins zu eins auf andere Länder übertragen. Einige Grundideen können aber Anregungen geben: regionale Verankerung, Orientierung an der Realwirtschaft, langfristige Kundenbeziehungen und das Ziel, wirtschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Umgekehrt lernen auch wir – etwa bei der Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen und der Wirkungsmessung.

Dass der DSGV im Jahr 2025 von der Europäischen Sparkassenvereinigung (ESV) und dem Weltinstitut der Sparkassen (WIS) in den Kategorien Climate Finance und Customer Education ausgezeichnet wurde, zeigt zudem, dass konkrete Ansätze der Sparkassen-Finanzgruppe international Beachtung finden.