Personal | DSGV - 2018
Kerkez © istockphoto.com

Personal

Kulturwandel mit Weitblick und klarem Konzept

Wer gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen und langfristig binden möchte, muss ein attraktives Arbeitsumfeld anbieten. Denn nur wenn die Motivation stimmt, lassen sich neue Ideen und Konzepte dauerhaft umsetzen. Deshalb arbeitet die Sparkasse Rhein-Nahe an einer neuen Unternehmenskultur, in deren Mittelpunkt Kommunikation, Teamwork und Gesundheit stehen.

Kompetente und engagierte Mitarbeiter sind ein wesentlicher Faktor für den Erfolg eines Unternehmens. Sie tragen viel dazu bei, wie ein Unternehmen von außen wahrgenommen wird, wie sich Zuverlässigkeit, Wandlungsfähigkeit und Innovationskraft in der Praxis umsetzen lassen. Das gilt auch für die Sparkasse Rhein-Nahe, eine der erfolgreichsten Sparkassen in Rheinland-Pfalz.

„Uns ist klar, wenn wir uns modern und innovativ aufstellen wollen, müssen wir gut ausgebildetes Personal haben und dieses für unser Haus begeistern“, sagt Peter Scholten, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Rhein-Nahe. „Darum krempeln wir unsere gesamte Unternehmenskultur um.“ Konkret bedeute das, dass neben den Vertriebsstrategien auch alle zwischenmenschlichen und sozialen Aspekte der Arbeit überdacht werden. Denn Faktoren wie Individualität und Möglichkeit der persönlichen Entfaltung, davon ist Scholten überzeugt, haben einen zunehmend wichtigeren Einfluss bei der Wahl des zukünftigen Arbeitgebers.

„Der Arbeitsmarkt hat sich verändert vom Arbeitgebermarkt zum Arbeitnehmermarkt“, sagt Rolf Walz, Bereichsleiter Personal bei der Sparkasse. „Wir sind ein gefragter Arbeitgeber, haben viele langjährige MitarbeiterInnen und eine geringe Fluktuation. Dennoch ist auch bei uns zu spüren, dass es immer schwieriger wird, Fachkräfte zu gewinnen und zu binden.“ Die Zahl der Bewerbungen bei der Sparkasse ist – vor allem aufgrund des demografischen Wandels – um etwa 30 Prozent zurückgegangen.

Der angestoßene Kulturwandel umfasst daher eine Vielzahl von Maßnahmen und äußert sich auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Anfang 2018 schaffte das Institut beispielsweise – wie zahlreiche andere Sparkassen auch – die Krawattenpflicht ab. Seither dürfen Mitarbeiter des Hauses auch im „Business-Casual“-Look zum Dienst erscheinen. Sichtbarer Ausdruck der neuen Haltung sind auch eine Reihe ambitionierter Bauprojekte. Denn wie viele Flächensparkassen stand auch die Sparkasse Rhein-Nahe mit ihrem großen Geschäftsgebiet vor der Notwendigkeit, ihre Filialstruktur zu überdenken, ohne dabei den Anspruch regionaler Nähe aufzugeben.

Es gibt keine Einzelbüros mehr, sondern die Möglichkeit, in offener Büroatmosphäre an Schreibtischen oder einer sogenannten „Workbench“ direkt mit Kolleginnen und Kollegen zu kommunizieren

Arbeiten neu gedacht

„Unser strategischer Ansatz lautet: Weniger, aber bessere Standorte“, so Scholten. Die Neubaumaßnahmen wurden folglich als Chance genutzt, um neue Konzepte für den Kontakt und Dialog mit Kunden umzusetzen, außerdem neue Modelle für attraktive, innovations- und kommunikationsfördernde Arbeitsumfelder zu berücksichtigen. So wurden Arbeitswelten eingerichtet, bei denen eine angenehme Arbeitsatmosphäre und die Gesundheit der Mitarbeiter im Mittelpunkt stehen. Das Konzept ist auf Offenheit und Teamarbeit ausgerichtet. Es gibt keine Einzelbüros mehr, sondern die Möglichkeit, in offener Büroatmosphäre an Schreibtischen oder einer sogenannten „Workbench“ direkt mit Kolleginnen und Kollegen zu kommunizieren. Im Unterschied zum klassischen Großraumbüro bietet die neue Etage aber auch Rückzugsräume – sei es für diskrete Telefonate oder Teamgespräche. „Teamübergreifendes Arbeiten ist einfacher und häufiger geworden“, so Corinna Janssen aus dem Immobilienservice.

Ergänzt wird der Fokus auf Gesundheit und Wohlbefinden der Mitarbeiter zum Beispiel auch durch das „Active Office“, ein Büro, in dem der Arbeitsalltag auf spielerische Weise durch Bewegung und Ergonomie ergänzt wird. Im Meetingraum wurden Reckstangen und Turnringe installiert, Konferenzen im Stehen abgehalten und ein Wechselrhythmus für die Arbeitsplätze eingeführt, um die Mitarbeiter in Bewegung zu bringen. Trotz manchem Schmunzeln gaben in einer Mitarbeiterbefragung fast drei Viertel zu Protokoll, dass sie das neue System gesundheitsmotivierender fanden, und fast 90 Prozent konstatierten einen „bewegteren“ Büroalltag.

So wurden Arbeitswelten eingerichtet, bei denen eine angenehme Arbeitsatmosphäre und die Gesundheit der Mitarbeiter im Mittelpunkt stehen

Emotion in der Beratung

Neue Ansätze stecken auch in weiteren Neubauprojekten der Sparkasse. In Bad Kreuznach setzen zwei hypermoderne neue Gebäude an der zentralen Mannheimer Straße städtebaulich neue Akzente, beispielsweise mit der Fassadengestaltung am neuen Immobilienzentrum. Dort inszenierte die italienische Künstlergruppe „Truly Urban Artists“ eine sogenannte Anamorphose – ein optisches Spiel, bei der sich das komplette Motiv erst dann entfaltet, wenn man den richtigen Standort gefunden hat. Bemerkenswert ist auch die Innenarchitektur des Gebäudes.

Eurocres Consulting, ein Beratungsunternehmen auf dem Gebiet des WorkPlace-Performance-Managements aus Berlin, hat die Sparkasse Rhein-Nahe dabei seit Mitte 2015 beraten, die Vorstellungen der Sparkasse mit den heutigen Kundenbedürfnissen in Einklang zu bringen. Jenö Kleemann, Partner bei Eurocres, sagt zur Grundidee: „Für den eher häufigen Kauf eines Autos gibt es Autostädte und ähnliche Erlebnishäuser, für den Immobilienerwerb oft nur Büros. Die Bedeutung dieser Anschaffung – die mehr ist als eine reine Vermittlungs- und Finanzierungsangelegenheit – sollte sich daher auch in den Räumlichkeiten widerspiegeln und zu einer intensiven Erfahrung werden. Wir freuen uns über den Mut der Sparkasse Rhein-Nahe, ungewöhnliche Wege einzuschlagen“.

So gibt es z. B. keine Beratungsräume mit Schreibtischen, sondern spezielle Themenräume, die einen Bezug zu einem Wohnhaus haben. Das Gespräch mit dem Berater kann dort beispielsweise in einem Kinderzimmer, einem Wohnzimmer oder einem Kaminzimmer stattfinden. Die Räume emotionalisieren so das Anliegen der Kunden, den Immobilienkauf, und machen das „Abenteuer Wohnen“ erlebbar.

Der Kulturwandel umfasst zudem flexible Arbeitsmodelle über alle Bereiche und Hierarchien hinweg. Im Rahmen eines Transfermanagements werden darüber hinaus Mitarbeiter fit gemacht für neue Aufgaben, beispielsweise auf die neuen Kundenwünsche in der Beratung. Hinzu kommt ein erweitertes Angebot an Ausbildungsmöglichkeiten. So kann man sich seit 2018 an der Sparkasse über den Bankkaufmann oder der Bankkauffrau hinaus auch zum Kaufmann/-frau E-Commerce ausbilden lassen. Außerdem bietet die Sparkasse attraktive Traineeprogramme für den Fachkräftenachwuchs an, die sich unter anderem an Studienabbrecher insbesondere aus mathematischen Fächern richten.

„Digitaler Wandel funktioniert nur, wenn die technischen Voraussetzungen dafür da sind – und natürlich Personal, das damit auch umgehen kann“, ist Vorstandsvorsitzender Scholten überzeugt. „Investitionen in die Qualifikation der Mitarbeiter wie auch in moderne Arbeitsplätze sind daher wichtigste Grundlage für ein zukunftsfähiges Kreditinstitut. Unser Ziel ist es, wichtige Trends möglichst früh zu erkennen, unternehmerisches Denken zu fördern und Impulse für Innovationen zu gewinnen. Dabei müssen wir Abteilungsegoismen überwinden, die Mitarbeiter ausreichend auf den Kulturwandel vorbereiten und sowohl interne als auch externe Maßnahmen zur digitalen Fortbildung anbieten.“

H14
H15
H16

Bericht an die Gesellschaft 2018

Haltung