{"id":8747,"date":"2022-05-06T07:02:42","date_gmt":"2022-05-06T05:02:42","guid":{"rendered":"https:\/\/im-auftrag-der-gesellschaft.de\/2021\/blog\/\/"},"modified":"2022-09-25T09:49:36","modified_gmt":"2022-09-25T07:49:36","slug":"circular-economy","status":"publish","type":"blog","link":"https:\/\/im-auftrag-der-gesellschaft.de\/2021\/themen\/circular-economy","title":{"rendered":"Circular Economy"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDer Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann\u201c, sagte der franz\u00f6sische K\u00fcnstler Francis Picabia. Was f\u00fcr das Denken gilt, sollte auch als Ma\u00dfstab f\u00fcr Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt gelten: Die \u00d6konomie der Zukunft ist nicht linear, sondern zirkul\u00e4r. Sie folgt dem Modell einer Kreislaufwirtschaft, die Materialien und Produkte nicht einfach nur aufbraucht und dann entsorgt, sondern so lange und so oft wie m\u00f6glich in den Wirtschaftskreislauf zur\u00fcckf\u00fchrt \u2013 durch Recycling und Reparatur, durch Leasing, Mieten oder Teilen.<\/p>\n<p>Das verlangt auf vielen Ebenen des Wirtschaftssystems ein Umdenken und eine Richtungs\u00e4nderung.\u00a0 Unsere \u00d6konomie ist vielfach noch eine Wegwerf\u00f6konomie: Gewinn erwirtschaften Unternehmen in erster Linie dadurch, dass sie m\u00f6glichst viele neue Produkte verkaufen. Daher spielen Langlebigkeit und Reparierbarkeit in der Entwicklung und Herstellung von Produkten nur eine untergeordnete Rolle. Allerdings gehen die Ressourcen, die f\u00fcr die Produktion eingesetzt werden, allm\u00e4hlich zur Neige. Pandemie und Krieg haben au\u00dferdem gezeigt: Ein Wirtschaftssystem, das einseitig auf dem Einsatz prim\u00e4rer Ressourcen fu\u00dft, birgt auch das Risiko politischer Abh\u00e4ngigkeiten und der Volatilit\u00e4t schwankender Rohstoffpreise. Zugleich steigt das M\u00fcllaufkommen in Industrie- und Schwellenl\u00e4ndern: Allein in den L\u00e4ndern der Europ\u00e4ischen Union werden j\u00e4hrlich \u00fcber 2,5 Milliarden Tonnen Abfall produziert \u2013 \u00fcber 90 Prozent davon in der Industrie.<\/p>\n<p><strong>Gesetzliche Vorgaben zum Umgang mit Abfall<\/strong><\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Union will das \u00e4ndern. 2018 wurde das EU-Kreislaufwirtschaftspaket verabschiedet, das gesetzliche Vorgaben zur Vermeidung und zur Wiederverwendung von Abfall macht. Die Bundesregierung hat diese Vorgaben \u00fcbernommen: Sie waren Grundlage f\u00fcr die Novellierung des deutschen Kreislaufwirtschaftsgesetzes (KrWG). Dennoch kommt der Umbau des Wirtschaftssystems bisher nur langsam voran. \u201eDer Anteil recycelter Materialien in der Industrie liegt in Deutschland bei zehn Prozent\u201c, konstatiert Henning Wilts vom Wuppertal Institut. \u201eDa liegen wir seit zehn Jahren. Deutschland ist zwar Recycling-Weltmeister und hat die beste abfallwirtschaftliche Infrastruktur, aber beim Thema Kreislaufwirtschaft sind wir Durchschnitt.\u201c \u00a0F\u00fcr Wilts liegt das Problem vor allem darin, dass der Fokus bisher nur auf einzelnen Aspekten des Wirtschaftskreislaufes liegt: \u201eDie Kreislaufwirtschaftsdebatte ist in Deutschland noch zu sehr auf das Thema Abfallmanagement konzentriert\u201c, also auf \u201eMa\u00dfnahmen, die erst am Ende des Lebenszyklus von Produkten ansetzen\u201c.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine echte Kreislaufwirtschaft muss der gesamte \u00f6konomische Zyklus in den Blick genommen werden. Das betrifft technische Aspekte wie Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Wiederverwertbarkeit von Produkten, die bereits im Entwicklungs- und Produktionsprozess ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcssen. Notwendig sind aber auch neue Formen der Kooperation und Kommunikation entlang der gesamten Wertsch\u00f6pfungskette. Entwickler, Produzenten, H\u00e4ndler, Verbraucher und Entsorger m\u00fcssen enger als bisher zusammenarbeiten, um gemeinsam optimierte L\u00f6sungen f\u00fcr die Herstellung, die Nutzung und die Entsorgung zu entwickeln.<\/p>\n<p><strong>Aufholbedarf in Deutschland<\/strong><\/p>\n<p>Andere Staaten sind da durchaus weiter, vor allem Skandinavien oder die Benelux-L\u00e4nder. Dort gibt es beispielsweise steuerliche Anreize f\u00fcr Kreislaufsysteme, wie z.B. gesenkte Mehrwertsteuers\u00e4tze f\u00fcr Gesch\u00e4ftsmodelle, die auf Verleih oder Recycling basieren. Grenz\u00fcbergreifende Initiativen wie der Nordic Circular Hotspot versuchen au\u00dferdem, die kollaborativen Aspekte der Kreislauf\u00f6konomie zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Deutschland hat da vielfach noch Aufholbedarf. In Wuppertal hat man sich aber schon mal auf den Weg gemacht: Die Stadt im Bergischen Land m\u00f6chte sich als \u201eCircular Valley\u201c etablieren, also als eine Art Silicon Valley der Kreislaufwirtschaft. Ein mit europ\u00e4ischen und Landesmitteln gef\u00f6rderter Akzelerator soll Start-Ups und etablierte Unternehmen zusammenbringen, um gemeinsam an neuen L\u00f6sungen f\u00fcr Fragen des Ressourceneinsatzes zu t\u00fcfteln. Initiator des Vorhabens ist der B\u00fcrgerverein \u201eWuppertalbewegung\u201c, mit an Bord sind die NRW.Bank und die Stadtsparkasse Wuppertal, rund 3,6 Millionen Euro an F\u00f6rdermitteln stehen zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p><strong>Wuppertal will Silicon Valley der Kreislaufwirtschaft werden<\/strong><\/p>\n<p>Das Projekt soll weit \u00fcber die Stadtgrenzen hinaus wirken: Dr. Carsten Gebhardt, Vorsitzender der Wuppertalbewegung, hofft auf eine Strahlkraft, die die gesamte Rhein-Ruhr-Region erfasst. Dass die Region bis heute stark von ihrer industriellen Struktur gepr\u00e4gt wird, von Traditionsbranchen wie der Textilindustrie, der Metallverarbeitung oder dem Maschinenbau \u2013 ist f\u00fcr Gebhardt kein Nachteil, sondern sogar ein Vorzug: \u201eAnders als andere Gro\u00dfregionen ist die Rhein-Ruhr-Region nicht bereits deindustrialisiert, sondern hat immer noch einen starken, industriellen Kern\u201c, sagt er. \u201eDiesen industriellen Kern braucht es, wenn man sich mit zirkul\u00e4rer Wirtschaft besch\u00e4ftigen m\u00f6chte. Denn um Stoffkreisl\u00e4ufe zu schlie\u00dfen, braucht es zuallererst Rohstoffe und Produkte aus allen Branchen, allen Industrien und mehr oder weniger allen Stufen der Wertsch\u00f6pfungskette.\u201c<\/p>\n<p>Auch bei der Stadtsparkasse setzt man darauf, dass die \u201eCircular Valley\u201c-Initiative beispielhaft f\u00fcr die gesamte Region sein wird: \u201eDas Projekt handelt weit \u00fcber die Grenzen Wuppertals hinaus\u201c, sagt der Vorstandsvorsitzende Gunther W\u00f6lfges. \u201eEs f\u00f6rdert durch innovative Ideen die Wirtschaft in der gesamten Rhein-Ruhr-Region, unterst\u00fctzt ma\u00dfgeblich Emissionen zu senken und tr\u00e4gt somit dazu bei, dass die Metropolregion f\u00fcr die hier \u00fcber 10 Million lebenden und arbeitenden Menschen attraktiv bleibt. Wir freuen uns daher sehr, von Minute eins mit an Bord sein zu d\u00fcrfen und das Projekt finanziell sowie ideell auf seinem Weg zu unterst\u00fctzen.\u201c<\/p>\n<p>Kreislaufwirtschaft nutzt aber nicht nur alten Industrieregionen: Auch l\u00e4ndliche R\u00e4ume k\u00f6nnen davon profitieren. Davon ist Katharina Wilkskamp \u00fcberzeugt, die f\u00fcr die Bundesregierung ein Projekt zu den Potenzialen der Circular Economy leitet: \u201eDer Ansatz der Kreislaufwirtschaft bietet gerade f\u00fcr l\u00e4ndliche Regionen in Deutschland und Europa gro\u00dfe M\u00f6glichkeiten\u201c, sagt sie. \u201eSo k\u00f6nnen Klein- und Mittelst\u00e4dte in funktionalen Regionen von der Anwendung der Kreislaufwirtschaft profitieren, indem sie bspw. Reparatur und Recycling im Handwerk oder im produzierenden Gewerbe anwenden und neu denken.\u201c<\/p>\n<p><strong>Potenzial auch f\u00fcr l\u00e4ndliche Regionen nutzen<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr das Bauministerium untersucht sie derzeit, wie sich die r\u00e4umlichen Dimensionen der Kreislaufwirtschaft verl\u00e4sslich analysieren lassen. Sie ist \u00fcberzeugt davon, dass Wirtschaft sich im Kreis bewegen muss statt nur linear, um nachhaltiger, zukunftsf\u00e4higer und gerechter zu funktionieren: \u201eDurch innovative Konzepte und integrierte sowie ortsbezogene L\u00f6sungen zur Anwendung der Kreislaufwirtschaft im l\u00e4ndlichen Raum kann langfristig ein Beitrag zur Verringerung von Disparit\u00e4ten, zur F\u00f6rderung des gesellschaftlichen Zusammenhaltes sowie zur Schaffung und zum Erhalt gleichwertiger Lebensverh\u00e4ltnisse geleistet werden.\u201c<\/p>\n","protected":false},"featured_media":10098,"parent":0,"menu_order":3,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","format":"standard","class_list":["post-8747","blog","type-blog","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/im-auftrag-der-gesellschaft.de\/2021\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/8747","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/im-auftrag-der-gesellschaft.de\/2021\/wp-json\/wp\/v2\/blog"}],"about":[{"href":"https:\/\/im-auftrag-der-gesellschaft.de\/2021\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/im-auftrag-der-gesellschaft.de\/2021\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8747"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/im-auftrag-der-gesellschaft.de\/2021\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/8747\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10085,"href":"https:\/\/im-auftrag-der-gesellschaft.de\/2021\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/8747\/revisions\/10085"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/im-auftrag-der-gesellschaft.de\/2021\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10098"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/im-auftrag-der-gesellschaft.de\/2021\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8747"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}