{"id":8574,"date":"2022-03-02T11:30:55","date_gmt":"2022-03-02T10:30:55","guid":{"rendered":"https:\/\/im-auftrag-der-gesellschaft.de\/2021\/blog\/\/"},"modified":"2022-09-25T09:46:09","modified_gmt":"2022-09-25T07:46:09","slug":"sustainable-finance","status":"publish","type":"blog","link":"https:\/\/im-auftrag-der-gesellschaft.de\/2021\/themen\/sustainable-finance","title":{"rendered":"Sustainable Finance"},"content":{"rendered":"<p>Die Energiewende ist eingel\u00e4utet \u2013 zumindest wenn es nach dem Willen der Politik geht. Die Forderung nach sauberer, nachhaltiger und bezahlbarer Energie geh\u00f6rt ausdr\u00fccklich zu den 17 \u201eSustainable Development Goals\u201c, den politischen Zielsetzungen f\u00fcr eine nachhaltige Entwicklung, auf die sich die Vereinten Nationen verpflichtet haben. Die Praxis scheint jedoch ein anderes Bild zu zeichnen: Seit der Corona-Pandemie nehmen die Emissionen durch Kohlekraftwerke weltweit wieder deutlich zu. Auf der Weltklimakonferenz COP26, die im Herbst 2021 in Glasgow stattfand, konnten sich die Teilnehmer au\u00dferdem nicht, wie von vielen Klimasch\u00fctzern gehofft, auf einen endg\u00fcltigen Ausstieg aus der Kohlenutzung einigen, sondern nur auf einen \u201ePhase down\u201c, eine schrittweise Reduzierung der Kohleverstromung.<\/p>\n<p><strong>Nach jeder Krise steigen die Emissionen wieder an<\/strong><\/p>\n<p>Vor allem in Schwellenl\u00e4ndern wie Indien und China scheint Kohleenergie immer noch das probateste Mittel, um das industrielle Wachstum weiter zu beschleunigen. Die Autoren des \u201eProduction Gap Reports\u201c, der vom UN-Umweltprogramm (UNEP) und dem Stockholm Environment Institute herausgegeben wird, rechnen f\u00fcr die kommende Dekade gar mit einem Anstieg der Produktion fossiler Brennstoffe von j\u00e4hrlich zwei Prozent. Einige Klimaexperten zeichnen daher schon ein pessimistisches Bild: \u201eNach jeder Krise steigen die Emissionen wieder an\u201c, kritisiert Ottmar Edenhofer, Direktor des Potsdam-Instituts f\u00fcr Klimafolgenforschung. \u201eWenn alle geplanten und gebauten Kohlekraftwerke noch die n\u00e4chsten Jahrzehnte in Betrieb bleiben, k\u00f6nnen wir die Klimaziele des Pariser Klimavertrages vergessen.\u201c<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass der Krieg in der Ukraine ein weiteres Problem offengelegt hat, das gerade in Deutschland ganz besonders zu Tage tritt: Um die Energiewende zu st\u00fctzen, sind politische und wirtschaftliche Abh\u00e4ngigkeiten entstanden, die nicht so einfach zu l\u00f6sen sind. Erdgas aus Russland spielte bis dato in den Planungen der Bundesregierung eine wichtige Rolle als Br\u00fcckentechnologie und zum Aufbau von Reservekapazit\u00e4ten, um den Ausstieg aus der Kohleenergie und den Umstieg auf erneuerbare Energien wirtschaftlich stabil zu bew\u00e4ltigen. Die Abh\u00e4ngigkeit von russischem Gas soll nun beendet werden. In Politik und Wirtschaft gibt es daher Stimmen, die den vorgesehenen Zeitplan f\u00fcr den Kohleausstieg in Frage stellen. So hat Brandenburgs Ministerpr\u00e4sident Dietmar Woidke gefordert, dar\u00fcber nachzudenken, \u201eob die Zeitschiene f\u00fcr den Kohleausstieg 2030 real ist\u201c.<\/p>\n<p><strong>Auf Dauer werden sich erneuerbare Energien durchsetzen<\/strong><\/p>\n<p>Nicht alle Experten teilen jedoch diese pessimistischen Perspektiven: So ist etwa Catharina Hillenbrand von der Neyen, Klimaforscherin des Think Tanks \u201eCarbon Tracker\u201c, davon \u00fcberzeugt, dass &#8222;der langfristige Trend hin zu stark sinkender Auslastung&#8220; von Kohlekraftwerken geht. Die wachsende Konkurrenz durch erneuerbare Energien sorge daf\u00fcr, dass Kohlekraftwerke nicht mehr voll ausgelastet und daher unrentabel werden. \u00c4hnlich sieht es Gaurav Ganti vom Klima-Think-Tank \u201eClimate Analytics\u201c: \u201eEs ist unwahrscheinlich, dass diese Renaissance der Kohle angesichts des Gegenwindes durch die kosteng\u00fcnstigen erneuerbaren Energien lange anh\u00e4lt&#8220;, sch\u00e4tzt er. Dennoch sieht er Handlungsbedarf: \u201eDie Industriel\u00e4nder m\u00fcssten sich bis 2030 von der Kohleverstromung verabschieden. Weltweit w\u00e4re bis 2040 Schluss. Die Entwicklungsl\u00e4nder werden daf\u00fcr enorme internationale Unterst\u00fctzung brauchen.&#8220;<\/p>\n<p>F\u00fcr Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Helaba, hat die Energiewende allenfalls eine Pause eingelegt. F\u00fcr sie ist aber auch klar, dass die Herausforderungen nicht weniger geworden sind: \u201eDie Dekarbonisierung der Wirtschaft ist ein \u00e4u\u00dferst schwieriges Unterfangen, das bei Fehlern mit schmerzhaften Wachstums- und Verm\u00f6genseinbu\u00dfen verbunden sein kann\u201c, urteilt sie. \u201eDer erhebliche Investitionsbedarf birgt angesichts der vielfach angespannten Lage der \u00f6ffentlichen Haushalte und hoher Auslastung in zentralen Branchen wie dem Baugewerbe Konfliktstoff.\u201c Sie fordert daher, dass \u201eEffizienz und Zielgenauigkeit angesichts knapper Ressourcen entscheidende Kriterien f\u00fcr die ergriffenen Ma\u00dfnahmen\u201c sein sollten.<\/p>\n<p><strong>Abkehr von gewohnten Handlungsmustern ist m\u00f6glich<\/strong><\/p>\n<p>Dennoch kann sie in den aktuellen Krisen auch positive Signale erkennen. \u201eDie Pandemieherausforderungen haben das Thema Nachhaltigkeit zwar etwas in den Hintergrund treten lassen\u201c, urteilt Gertrud Traud. \u201eDer Umgang mit Corona zeigt aber, dass mit politischen Anreizen und breiter gesellschaftlicher Unterst\u00fctzung die Anpassung von gewohnten Verhaltensmustern m\u00f6glich ist.\u201c In ihren Augen wird die Finanzwirtschaft dabei eine besonders wichtige Rolle spielen: \u201eSustainable Finance ist unerl\u00e4sslich beim Wandel hin zum Weltwirtschaftssystem der Zukunft und wird damit auch zu einem bedeutenden Wettbewerbsfaktor f\u00fcr internationale Finanzpl\u00e4tze. Schlie\u00dflich braucht es f\u00fcr das Gelingen der Energiewende und die daf\u00fcr notwendige Transformation in den Unternehmen eine entsprechend ausgerichtete Finanzbranche. Durch die Konzentration verschiedener Akteure k\u00f6nnen Finanzstandorte dabei einiges bewirken, einzeln und in Interaktion rund um den Globus.\u201c<\/p>\n","protected":false},"featured_media":10096,"parent":0,"menu_order":2,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","format":"standard","class_list":["post-8574","blog","type-blog","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/im-auftrag-der-gesellschaft.de\/2021\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/8574","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/im-auftrag-der-gesellschaft.de\/2021\/wp-json\/wp\/v2\/blog"}],"about":[{"href":"https:\/\/im-auftrag-der-gesellschaft.de\/2021\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/im-auftrag-der-gesellschaft.de\/2021\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8574"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/im-auftrag-der-gesellschaft.de\/2021\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/8574\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10083,"href":"https:\/\/im-auftrag-der-gesellschaft.de\/2021\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/8574\/revisions\/10083"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/im-auftrag-der-gesellschaft.de\/2021\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10096"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/im-auftrag-der-gesellschaft.de\/2021\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8574"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}