Gemeinsam an einem Strang ziehen: Sparkassen-Azubis auf den Spielplatz | DSGV - Bericht an die Gesellschaft

Ehrenamtliches Engagement

Gemeinsam an einem Strang ziehen: Sparkassen-Azubis auf den Spielplatz

Einmal im Jahr werden die Azubis der Sparkasse Essen zu Handwerkern und Baumeistern. Eine Woche lang bauen oder reparieren sie Spielplätze von Förderschulen der Ruhrmetropole. Und lernen dabei viel über Teamwork, Engagement und Eigenverantwortung.

Klettergerüst statt Bankschalter, Bohrmaschine statt Computer, Blaumann statt Anzug oder Kostüm: In Essen müssen die Azubis der Sparkasse einmal im Jahr für vier Tage ganz handfest anpacken. Dann werden Bretter auf die richtige Größe zugesägt, Nägel eingehämmert und Holzlatten verschraubt. Ergebnis der Arbeit ist regelmäßig ein schöner neuer oder instand gesetzter Spielplatz für eine Förderschule der Stadt – und ein reicher Vorrat an Erlebnissen, Erfahrungen und Herausforderungen für die Azubis, die daran mitgewirkt haben.

Eine ungewöhnliche Aktion, die auf den ersten Blick so gar nichts mit den fachlichen Qualifikationen zu tun zu haben scheint, die man als Mitarbeiter einer Bank mitbringen muss. Aber genau das ist die Idee, sagt Ausbildungsleiterin Andrea Koch: „Die Bauaktion ist hilfreich für Persönlichkeitsbildung, Eigenverantwortung und Teamwork“, sagt sie. „Diese Aspekte sind für uns genauso wichtig wie fachliche Inhalte. Die Azubis lernen auf der Spielplatz-Baustelle ganz unmittelbar, wie man mit persönlichen Herausforderungen umgeht, die eigene Leistungsfähigkeit richtig einschätzt und gemeinsam auf Ziele hinarbeitet.“ Und ganz nebenbei erfahren sie auch in einem ganz praktischen Fall, was gelebte gesellschaftliche Verantwortung bedeutet.

Für viele Azubis sind die Anforderungen, mit denen sie im Bauprojekt konfrontiert werden, in der Tat ganz neue Erfahrungen. So müssen sie zum Beispiel, um das Projekt in der gebotenen Zeit fertigzustellen, die gesamten Tage auf dem Schulgelände verbringen – also auch dort übernachten: „Früher haben wir gezeltet, heute übernachten wir in den Turnhallen auf Feldbetten vom Roten Kreuz“, erzählt Koch. Gemeinsam werden die Tagesziele abgestimmt, die Aufgaben und Rollen definiert, Werkzeuge und Baumaterialien koordiniert: „Da lernen die Azubis in einem ganz anderen Umfeld als einer Filiale, wie man kooperiert und gemeinsam an einem Strang zieht.“

Entwickelt wurde das Konzept gemeinsam mit dem Marburger Beratungsunternehmen ALEA (Anders lernen durch Erfahrung und Abenteuer). Das Unternehmen, das auch mit einigen anderen Sparkassen zusammenarbeitet, setzt auf Lernmethoden, die vom klassischen – sitzenden und diskutierenden – Seminarbetrieb abweichen. Kerngedanke: Körperliche und emotionale Erlebnisse sind wichtige Ressourcen, um Lerninhalte zu vermitteln und erlebbar zu machen. Das gilt ganz besonders für sogenannte „Soft Skills“: Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit lassen sich dann besonders gut trainieren, wenn sie in einem emotional anregenden und mit positiven Erlebnissen besetzten Umfeld erlebt werden.

Und wie ist das Feedback von den Azubis selbst? Die sind mit großem Einsatz dabei, auch wenn es während der Baumaßnahmen schon mal Frustrationen und Ungeduld geben kann. „Da stößt manch einer bisweilen an Grenzen, die ihm vorher nicht so bewusst waren“, sagt Koch. Aber am Ende sind doch alle überzeugt von der Erfahrung, gemeinsam etwas Handfestes auf die Beine gestellt und geleistet zu haben: „Wenn man da, wo vorher nur eine grüne Wiese war, nun einen kompletten Spielplatz sieht, dann ist das für alle ein beeindruckendes Erlebnis“, sagt Koch. „Der Spielplatz wird auch ordnungsgemäß abgenommen und TÜV-geprüft, was eine ganz wichtige Bestätigung für die Teilnehmer und Teilnehmerinnen ist.“

Dass die Azubis die Bauaktion als ganz besonderen persönlichen Erfahrungsgewinn verbuchen können, zeigen auch die Rückmeldungen der Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die die Sparkasse regelmäßig einsammelt. „Dabei stellen wir auch die Frage, ob wir die Aktion fortsetzen oder etwas anderes probieren sollen. Die Antwort lautet mit großer Einhelligkeit immer: Nein, unbedingt weitermachen!“

Bericht an die Gesellschaft 2016

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